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Sie befinden sich hier: myfreedom.de / Die Geschichte der Homosexualität
Letztes Update dieser Seite: 19.01.2006


Inhaltsübersicht:

-> 3 Der Werdegang / Die Geschichte der Homosexualität
-> 3.1 Männerliebe im Antiken Griechenland
-> 3.2 Die Entwicklung der Homosexualität
-> 3.2.1 Welche Rolle spielte die Kirche damals bezüglich der Entwicklung?
-> 3.2.2 Welche Rolle spielt die Kirche heute bezüglich der Entwicklung?
-> 3.3 Die Geschichte der Schwulen- und Lesbenbewegung seit 1897
-> 3.4 Studien des Kinsey-Institutes (1938)
-> 3.5 Die Entstehung des Christopher-Street-Day´s
-> 3.6 Homosexualität heute

Inhalt:

3 Der Werdegang / Die Geschichte der Homosexualität

Schaut man in die Geschichte der Homosexualität zurück, so kann man diese bis in die Antike zurückverfolgen. In den alten Kulturen war Homosexualität legal und genoss hohes Ansehen! Zum Beispiel im alten Ägypten wie auch in Mesopotamien und Syrien wurde jegliche Sexualität als etwas Göttliches angesehen! Im alten Persien und Griechenland war Homosexualität in Form von Knabenliebe als normaler Gesellschaftsstatus geltend. Auch Julius Cäsar duldete Homosexualität, besonders die in einer Beziehung zwischen Herren und Sklaven.

3.1 Männerliebe im Antiken Griechenland

In den patriarchalisch geprägten Kulturen der europäischen Antike war Homosexualität auf unterschiedlichste Art und Weise in das gesellschaftliche Leben integriert! Im antiken Griechenland ist Homosexualität in einer besonderen Form der Päderastie, also der Knabenliebe, bekannt. Die Stellung der Frau in der damaligen Gesellschaft war sehr gering. Nur so genannte „Hetären“ durften mit einem Mann eine Beziehung eingehen. Hetären sind Frauen, welche genug Bildung hatten, um dem Mann ebenbürtig zu sein und ihm sexuell zur Verfügung stehen. Ein Mann führte damals hauptsächlich eine Beziehung mit einem heranwachsenden Jungen, da er im Gegensatz zur Frau die gefragte Formbarkeit für die Erziehung bot. Da es damals als normal galt, hinterfragte es, wie in der heutigen Zeit auch, kaum jemand. Diese Form der männlichen Homosexualität wird auch von bildender Kunst und Literatur in ausführlichen Darstellungen und Beschreibungen wieder gegeben.
Die Beziehung zwischen einem Mann und einem Knaben unterteilte sich in eine aktive und eine passive Seite. Die aktive Seite ist der Sex mit dem Knaben, bei dem er weder physische Lust empfinden, noch am Vergnügen des Mannes Freude empfinden durfte, sondern beim Höhepunkt des Mannes eine Befriedigung darin zu finden, dass er dem Mann Vergnügen machte. Und auch das nicht zu voreilig und nicht zu missmutig. Der passive Teil betrifft den Charakter des Knaben, welcher weibliche Eigenschaften wie Schüchternheit, Ergebenheit und Hilfsbedürftigkeit mit sich bringen sollte. Der aktive Teil ist also männlich und die passive Seite weiblich. Das ist der Ausdruck einer bisexuellen Natur! Und genau diese Natur machte die weiträumige Existenz von Homosexualität im alten Griechenland erst möglich!
Homosexualität wurde in Form von Knabenliebe toleriert und war in der damaligen Gesellschaft eine erstrebenswerte Art, sexuelle und menschliche Beziehungen einzugehen. Umso überraschender, dass eine homosexuelle Beziehung zwischen zwei gleichaltrigen Männern nicht akzeptabel war. Das liegt daran, dass in so einem Fall die Ausgewogenheit der bisexuellen Natur nicht gewährleistet war, nämlich kein weiblicher passiver Teil in einer gleichaltrigen Beziehung zweier Männer geleistet war. So genannte Tunten (ja, die gab es damals auch schon) wurden ins Lächerliche gezogen und galten nicht als weiblicher Teil, da sie nicht die von der Natur ausgehenden Bedingungen erfüllten, worunter eben auch Ergebenheit und Hilfsbedürftigkeit fällt.

3.2 Die Entwicklung der Homosexualität
3.2.1 Welche Rolle spielte die Kirche damals bezüglich der Entwicklung?


Die Kirche spielte in der damaligen Zeit eine sehr große Rolle bezüglich der Entwicklung von Homosexualität. Denn die Ideologen des frühen Christentums fingen an, die teilweise sogar als normal geltende Homosexualität, zu verdammen. Als Begründung wurde die mangelnde Fortpflanzungsfähigkeit genannt. Da es sich um eine Zeit handelte, wo alle noch sehr stark gläubig waren, hatte man damit auch schon bald Erfolg, und Homosexualität wurde lebensgefährlich. Sie wurde als „das Werk des Teufels“ dargestellt und dementsprechend verfolgt und mit dem Tod bestraft. Ob damit die Kirche nun als klarer Feind der Homosexualität gilt, ist jedem seiner Urteilsbildung selbst überlassen. Fakt ist, dass die durchaus mal akzeptierte und tolerierte Sexualität durch das Christentum auch heute noch oftmals als abnormal und abstoßend gilt.

3.2.2 Welche Rolle spielt die Kirche heute bezüglich der Entwicklung?

Heute spielt die Kirche immer noch eine sehr große Rolle in der Gesellschaft. Vor allem durch den Papst-Trend hat sich die als sehr konservativ und homosexuellenfeindlich geltende Katholische Kirche noch einmal sehr in den Vordergrund gedrängt und – erstaunlicherweise auch sehr viele lesbische und schwule Pilger gewonnen, was sicherlich gegen die Vorsätze des Papstes verstößt. Ich denke, dass die Kirche immer noch ein wesentliches Faktum in der Bildung der Gesellschaft ist. Und solange dies der Fall ist, wird das Wort „Frei“ nicht zur Geltung kommen können. Solange eine einseitig gestrickte Konstitution einen Großteil der gesellschaftlichen Macht besitzt und die Menschen nicht in Frage stellen, was als „normal“ gilt, lebt die Gesellschaft ohne Veränderung weiter und wird gefüttert von ihren eigenen Mitgliedern. Herrscht durch das Kondom oder die Pille in der heutigen Zeit nicht auch eine mangelnde Fortpflanzungsfähigkeit? Dem Mensch steht es frei, diese Dinge zu benutzen. Doch die Christen nehmen dennoch die Pille – in Anbetracht der Tatsache, mit welchen Argumenten damals Homosexualität durch das Christentum verbannt wurde, ist das irgendwie widersprüchlich mit ihrem Glauben, oder?

3.3 Die Geschichte der Schwulen- und Lesbenbewegung seit 1897:

Im Jahre 1897 wird als erste große bekannte Homosexuellenorganisation das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) gegründet. Das WhK hatte sich zur Aufgabe gesetzt, den Menschen endlich Klarheit zu verschaffen, dass es sich bei der Liebe zu Personen des gleichen Geschlechts nicht um eine Krankheit handelt. Als erstes reichte das WhK im Dezember 1897 eine Petition gegen den schon länger bestehenden Anti-Homosexuellen-Paragraphen § 175 beim Bundestag ein. Vier Jahre später bringt das WhK eine Broschüre heraus mit dem Titel: „Was soll das Volk vom dritten Geschlecht wissen?“. An dem Titel merkt man bereits die sehr altmodische Ansichtsweise. Die nun folgenden beiden Jahre, nämlich 1903 und 1904 sind sehr bedeutende Jahre. In diesen zwei Jahren befragte das WhK mehr als 3000 Berliner Studenten und 5721 Metallarbeiter bezüglich ihrer Sexualität. Von den Metallarbeitern kamen 49% der Fragebögen zurück. Die Ergebnisse der beiden Umfragen: 94,3% bezeichneten sich als ausschließlich heterosexuell, 2,3% als ausschließlich homosexuell, der Rest als bisexuell. Vor der Kinsey-Studie 1938 war dies die größte derartige Studie bis dahin.
1919 entstand einer der ersten Homosexuellenfilm „Anders als die Anderen“. Im gleichen Jahr eröffnete das Institut für Sexualwissenschaft in Berlin.1933 wird eben dieses von NS-Studenten und SA-Trupps gestürmt, geplündert und die Bibliotheksbestände von Sexualkundebüchern und allen nicht-deutschen Büchern am 10. Mai auf dem Berliner Opernplatz verbrannt. Dadurch löste sich das WhK am 8. Juni 1933 auf, wenige Wochen zuvor wurde Marinus van der Lubbe, welcher angeblich Feuer an den Berliner Reichstag gelegt haben soll, als Homosexuelle erklärt und konnte damit ganz legal exekutiert werden.
Im Jahre 1938 kam dann Kinsey mit seinen sexualwissenschaftlichen Forschungen.

3.4 Studien des Kinsey-Institutes (1938)

Kinsey war ein Sexualwissenschaftler, welcher in einer Zeit der absoluten Tabus bezüglich des Themas „Sex“ entsprechende Sexualstudien aufstellte und Umfragen bzgl. des Themas durchführte. Ihm ist eventuell eine dadurch folgende Offenheit und Freiheit der Gesellschaft zu verdanken. Diese Sexualstudien befassten sich am Anfang im Wesentlichen mit dem heterosexuellen Bereich. Klar, war ja auch normal. Doch irgendwann ist Kinsey ins Nachdenken gekommen und hat weitere Forschungen im Homosexuellen Bereich angestellt. Dabei hat er sich mit Homosexuellen unterhalten und Studien durchgeführt. Kinsey fand heraus, dass Heterosexualität und Homosexualität keine klar voneinander trennbaren Eigenschaften sind. Er hat folgendes Schema basierend auf Bestätigungen von sowohl Hetero- als auch Homosexuellen und basierend auf psychologische Reaktionen bei seinen Umfragen erstellt:

„Die Natur kennt keine scharfen Einteilungen. Nur der Mensch erfindet Kategorien und versucht, die Wirklichkeit in verschiedene Schubfächer zu zwingen. Alles im Leben ist in jeder Hinsicht ein Kontinuum.“

Im Rahmen seiner Studien erstellte Kinsey die berühmte Kinsey-Skala, auf welcher die Sexualität des Menschen unterteilt ist in 6 mögliche Punkte. Von 0 – ausschließlich heterosexuell – bis 6 – ausschließlich homosexuell – geht die Skala und ist das Ergebnis groß angelegter Untersuchungen und Forschungen des Kinsey-Institutes. Durch die Forschungen wurden auch einige Vorurteile widerlegt, wie zum Beispiel, dass Homosexualität durch übermäßige Mutterbindung entstehen würde oder eine Folge von Genitalspielen mit Geschwistern in jungen Jahren wäre.

Die Kinsey-Skala:

0 ausschließlich heterosexuell
1 überwiegend heterosexuell mit gelegentlichen homosexuellen Gefühlen oder Verhaltensweisen
2 hauptsächlich heterosexuell mit etwas homosexueller Neigung oder Erfahrung
3 zu gleichen Teilen homosexuell und heterosexuell
4 hauptsächlich homosexuell mit etwas heterosexueller Neigung oder Erfahrung
5 überwiegend homosexuell mit gelegentlichen heterosexuellen Gefühlen oder Verhaltensweisen
6 ausschließlich homosexuell


3.5 Die Entstehung des Christopher-Street-Day´s

Der Christopher-Street-Day (kurz: CSD) ist heutzutage fast jedem ein Begriff. Die Paraden, welche jährlich in der ganzen Welt verteilt stattfinden, haben auch sehr häufig heterosexuelle Paradeteilnehmer. Doch was ist der CSD genau? Er ist eine Art Feiertag für alle Lesben und Schwule. Im Juni 1969 verübte die Polizei mal wieder in der Christopher Street in New York eine unbegründete Razzia in der Bar „Stonewall Inn“. Doch dieses Mal wehrten sich die Schwulen, Lesben und Transen und es kam zu regelrechten Straßenschlachten mit der Polizei. Seit diesem Tag haben die Schwulen und Lesben den Wendepunkt in der amerikanischen Homosexuellengeschichte erreicht, die Unterdrückungen nicht mehr länger hingenommen. Seitdem finden einmal im Jahr die so genannten „Gay-Pride-Parades“ überall in den USA statt, das Ende der Unterdrückung wird gefeiert, Selbstbewusstsein demonstriert. In Deutschland gibt es den CSD seit 1979. Mit den Paraden soll der Widerstand gefeiert werden und um die gleichen Rechte gekämpft werden. Infolge des Widerstands „wird der Paragraph 175, der jeglichen sexuellen Kontakt zwischen Männern unter Strafe stellt, also Homosexuelle diskriminiert, liberalisiert: Vom September 1969 an gilt die Schutzaltersgrenze von 21 Jahren, d.h. nun ist ‚nur’ noch der Sex mit Minderjährigen Strafbar.“
Durch das gesammelte Selbstvertrauen durch den Widerstand entstehen auch immer mehr Einrichtungen, wie die erste schwule Sauna Deutschlands in Hannover usw.

3.6 Homosexualität heute

Homosexualität wird heute von den Wissenschaftlern nicht mehr als behandlungsbedürftige sexuelle Abweichung angesehen. Auch in der Natur treten sehr häufig homosexuelle Tiere auf, z.B. Säugetiere oder Vögel. Homosexualität ist wie Heterosexualität eine natürliche Ausdrucksform der Sexualität und möglicherweise wird dies von der Gesellschaft und der Kirche irgendwann akzeptiert werden und nicht als „Sonderfall“ oder „Fehlfunktion“ behandelt werden. Dazu gehört natürlich auch die Thematisierung von Homosexualität! Dass sich im Gegensatz zu früher im Christentum einiges geändert hat, ist sichtbar. Heute wird Homosexualität nur noch in den wenigsten Ländern unter Todesstrafe gestellt. Länder, welche Homosexuelle immer noch stark verfolgen, sind zum Beispiel: Jamaica, bis vor 2003 der Irak, heute noch der Iran und auch noch in den ländlicheren Gegenden der Türkei.
Geschichtlich gesehen jedoch gab es Gesellschaften, in welcher jegliche Sexualität, ganz gleich ob gleichgeschlechtliche oder andersgeschlechtliche, akzeptiert wurde und als göttliche Gabe gesehen wurde. Diese Gesellschaften wurden mit der Entstehung des Christentums einseitig umstrukturiert und lösten sich auf. Nun sollte man sich die Frage stellen, ob man allein in Bezug auf die gesellschaftliche Akzeptanz unterschiedlicher Sexualitäten einen Schritt vor- oder zurückgegangen ist.

WEITER ZUR ENTSTEHUNG VON HOMOSEXUALITÄT

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